Wird Kufr (Shirk) durch Unwissenheit (ʿUdr bil Jahl) entschuldigt?

Frage:

Wird Kufr (Shirk) durch Unwissenheit (ʿUdr bil Jahl) entschuldigt?

 

 

Antwort:

Scheich Ibnu ʿUthaymīn (raḥimahullāh) wurde gefragt: “Wird Kufr (Shirk) durch Unwissenheit entschuldigt?”

Er sagte:

Es scheint mir so als ob die Angelegenheit des Takfirs trotz Unwissenheit immer noch nicht klar wurde. Aber ich wundere mich darüber…Wie kann es noch unklar sein? Warum ist diese Angelegenheit zwischen den anderen Säulen, Pflichten und Bedingungen des Islams für euch so unklar?

Wenn jemand wegen der Unwissenheit für das Unterlassen des Gebets entschuldigt wird, und hierbei handelt es sich um eine gewaltige Säule von den Säulen des Islāms, wie z. B. einer der in der Wüste lebt und dort aufgewachsen ist und dadurch weit weg von den Städten und dem Wissen ist. Darum weiß er nicht, dass es eine Pflicht ist. So wird er dafür entschuldigt und sie ist in diesem Fall keine Pflicht für ihn, sogar müsste er diese nicht nachholen.

Und wenn die Unwissenheit mit dem Schirk nicht entschuldigt wird, warum wurden dann die Propheten entsandt, auf dass sie ihr Volk zum Tauhīd zu Allāh (Monotheismus) aufrufen?

Wenn sie doch trotz Unwissenheit nicht entschuldigt werden, bedeutet das, dass sie Wissen darüber haben. Warum sollten dann Propheten entsandt werden?

Jeder Prophet sagt zu seinem Volk: “Betet Allāh an und gesellt Ihm nichts bei!” Und wir haben vor dir keinen Gesandten entsandt, dem Wir nicht (die Weisung) eingegeben hätten: “Es gibt keinen Gott außer Mir, so dient Mir!” (21:25)

Wenn ein Mensch sich dem Islām zuschreibt und er macht dabei Kufr/Schirk, jedoch weiß er nicht, dass dieses Schirk ist und er wurde darauf nicht aufmerksam gemacht, wie können wir über ihm sagen, dass er ein Kāfir ist?

Haben wir mehr wissen über dieses Urteil als Allāh? Wollen wir uns etwa zwischen den Dienern und der Barmherzigkeit Allāhs stellen? Und sagen wir dann: “Hier ist der Zorn Allāhs der Barmherzigkeit vorausgeeilt?” Das ist nicht verständlich liebe Geschwister!

Die Menschen als Kāfir oder Fāsiq oder Mubtadi’ zu betiteln ist ein Urteil der islamischen Gesetzgebung (Sharʿ), welches aus der islamischen Gesetzgebung (Sharʿ) entnommen wird.

Wenn Allāh sagt: “Wer aber dem Gesandten entgegenwirkt, nachdem ihm die Rechtleitung klar geworden ist, und einem anderen Weg als dem der Gläubigen folgt, werden Wir zukehren, dem er sich zugekehrt hat, und ihm der Hölle aussetzen, und wie böse dieser Ausgang ist.”(4:115)

(Der Scheich wiederholt folgende Worte zur Betonung:) ... nachdem ihm die Rechtleitung klar geworden ist…

Und Allāh sagt: “Nimmer wird Allāh Leute in die Irre gehen lassen, nachdem Er sie rechtgeleitet hat, bis Er ihnen Klarheit gegeben hat, wovor sie sich hüten sollen.” (9:115)

Und Allāh sagt auch: “Wir strafen nicht eher, bis Wir einen Gesandten geschickt haben.” (17:15)

Ein Gesandter, der was macht? Er verdeutlicht und ruft zum Tauhīd auf. Wenn also deshalb die Strafe entfällt, so ist das die Entschuldigung (al-ʿUdr). Die Verse in dieser Angelegenheit sind sehr viele.

Und der Gesandte ﷺ sagt: “Bei dem in dessen Hand meine Seele ist, keiner der Jude oder Christ ist und der von mir hört und daraufhin nicht an mich glaubt, außer dass er von den Höllenbewohnern ist.”

“… der nicht von mir hört … ” – das heißt, wenn er nicht gehört hat, dann ist er nicht von den Höllenbewohnern. Und die Beweise sind viele.

Es ist richtig, dass es Gelehrte gibt, die anderes sagten, aber diese Aussage ist schwach. In diesem Zusammenhang herrscht Uneinigkeit unter den Gelehrten. Uneinigkeit darüber, dass der Mensch ein Kafīr wird und nicht entschuldigt wird wegen der Unwissenheit.

Die Wörter von Scheich al-Islām (Ibn Taymiyyah) sind sehr viele darüber, das man kein Kāfir wird! Und ebenfalls die Worte des Scheich Muḥammad Ibnu ʿAbdulwahhāb, dass man wegen Unwissenheit kein Kāfir wird.

Das, was ich euch vorgetragen ist an Texten ist das, was mir derzeit möglich war, aber die Worte von Scheich al-Islām sind viele und es ist nicht möglich alles wiederzugeben, jedoch sind die Rechtsurteile vorhanden. Kehrt zu ihnen zurück, es sind sehr sehr viele zu diesem Thema.

Das Urteil ist bei Allāh dasselbe.

Wer das Gebet aufgrund von Unwissenheit unterlässt, so ist dieser entschuldigt, aber wenn sich jemand vor einem Götzen niederwirft, eben auch aus Unwissenheit, wie kann das sein, dass man diesen nicht entschuldigt? Wo ist der Unterschied? [..]

Ich wundere mich darüber, dass ihr diese Angelegenheit nicht begreift, wobei es sich hier um eine Angelegenheit handelt, wo es keinen Unterschied gibt zu einer anderen. Was nun jemand angeht, der sagt dass das Unterlassen der Haupt-Angelegenheiten (Usūl) einem zum Kāfir macht und das Unterlassen der Zweig-Angelegenheiten (Furūʿ) nicht zum Kāfir macht, so hat Scheich al-Islām jene herausgefordert und sagte: “Zeigt uns auf, was sind die Haupt- & Zweigangelegenheiten. Wer hat überhaupt die Religion (Dīn) in Haupt- & Zweigangelegenheiten eingeteilt?” Außer die Leute des Kalām (Ahl al-Kalām). Sie teilen beispielsweise gewaltige Angelegenheiten der praktischen Handlung, wie das Gebet ein in Zweigangelegenheiten, wobei das eine Grundlage im Islam ist. Und sie zählen weitere übertragene Angelegenheiten, bei denen es unter den Leuten der Sunna Unstimmigkeiten gibt zu den Grundlagen obwohl es Unstimmigkeiten gibt.

Wichtig ist bezüglich dieser Angelegenheiten, dass wir vorsichtig darin sind, besonders in der Thematik des Takfīr. Wir erklären die Diener von Allāh nicht zu Kuffār, ohne dass Allāh sie zu Kuffār erklärt.

[At-Taʿlīq ʿalā Kitāb at-Tawḥīd min Ṣaḥīḥ al-Buchārī]

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