Wie ist der Hadith zu verstehen, dass Einem die Engel verfluchen, wenn der Mann seine Ehefrau ins Bett ruft und sie dem nicht nachgeht?

Frage:

Muss man als Frau mit seinem Mann Beischlaf ausüben, obwohl man keine Lust hat?

Wie ist der Hadith zu verstehen, dass Einem die Engel verfluchen, wenn der Mann seine Frau ins Bett ruft und sie dem nicht nachgeht?

Soll eine Frau sich also indirekt vergewaltigen lassen und sich still dem ergeben, was der Mann will und sich danach benutzt fühlen, damit sie nicht verflucht wird?

 

 

Antwort:

Die muslimische Ehe basiert auf gegenseitiger Rücksichtnahme und Verständnis. Daraus entsteht eine Lebensführung geprägt von Barmherzigkeit und Güte. In einer funktionierenden muslimischen Ehe ergänzen sich die Partner gegenseitig. Jeder hat sowohl Rechte als auch Pflichten gegenüber dem anderen. Beide Partner bemühen sich um Gerechtigkeit und um das aufrichtige Streben nach Allāhs Wohlgefallen. Für beide hat die Zufriedenheit Allāhs oberste Priorität.

Allāh der Erhabene sagt (sinngemäß): „Und geht in rechtlicher Weise mit ihnen um.“ [4:19]

Ferner sagt Er (sinngemäß): „Und ihnen (den Frauen) steht in rechtlicher Weise (gegenüber den Männern) das gleiche zu, wie (den Männern) gegenüber ihnen.“ [2:228]

In der muslimischen Ehe wirken die Partner, wie ein Gewand füreinander, indem sie sich gegenseitig ergänzen, bewahren, beschützen und einander helfen, vom Verbotenen (harām) fernzubleiben. Dies bedeutet auch, dass der Mann keine unerfüllten Bedürfnisse hat, wenn er die Wohnung verlässt und dass die Frau gleichermaßen nicht mit unerfüllten Bedürfnissen zurückgelassen wird. Die Partner motivieren sich außerdem gegenseitig dazu, ihr Leben nach Allāhs Wohlgefallen zu führen und es ist deshalb für sie selbstverständlich, sich bezüglich ihrer Lebenseinstellung und ihren alltäglichen Angelegenheiten zu beraten.

Die Basis für ihre Kommunikation bilden die – vom Erhabenen – festgelegten Gesetzmäßigkeiten. Allāh hat definitive Gesetze geschaffen und er hat Gesetze geschaffen, bezüglich derer die Menschen frei entscheiden können, ob sie sie befolgen wollen oder nicht. Hierbei handelt es sich um ‚Ahkām Kauniyyah‘ und ‚Ahkām Scharʿiyyah‘. Diese Gesetzmäßigkeiten sind für beide Ehepartner (im Islam) verpflichtend. So gilt es beispielsweise als gewaltige Sünde seitens der Frau, wenn ihr Mann sie zu Bett ruft und sie ohne Grund abweisend reagiert.

Der Prophet (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil) sagte zu diesem Thema: „Wenn der Mann seine Frau zu Bett bittet, sie sich aber weigert und er mit Ärger über sie einschläft, verfluchen sie die Engel bis zum nächsten Tag.“ [Buchārī, Muslim]

Allāh der Allmächtige hat dies für uns bestimmt, so wie auch der Regen, die Sonne, der Mond und die Umlaufbahnen ihre Bestimmungen haben. Die Schöpfung hat bestimmte Gesetzmäßigkeiten und dies ist eine jener definitiven Gesetzmäßigkeiten.

Im Islam wird keiner Seele etwas aufgetragen, was sie nicht zu leisten vermag. So hat die Ehefrau das Recht, nicht auf ihren Mann einzugehen, wenn er sie zu Bett ruft, wenn sie einen islamisch legitimen Grund dafür hat. Zu diesen Gründen gehören z.B. ihr Pflichtfasten im Ramadan oder Krankheit. Wenn sie ihre Menstruation hat oder sich im Weihezustand der Pilgerfahrt oder Besuchsfahrt befindet, ist es ihr sogar verboten, mit ihrem Mann Beischlaf zu haben.

Imām an-Nawawī (Möge Allāh seiner Seele gnädig sein, gest. 677 n.H.) sagte sinngemäß in der Erklärung zu diesem Hadith: „Dies ist ein Beweis dafür, dass es harām für die Frau ist, ihren Mann ohne islamisch legitimen Grund abzuweisen. Die Partner dürfen außerdem intim sein, ohne dass dabei Geschlechtsverkehr stattfindet.“

Imam Asch-Schaukānī (Möge Allāh seiner Seele gnädig sein) sagte „Bezüglich der Aussage ‚er schläft in Ärgernis über sie ein‘ so liegt die Sünde der Frau darin, dass der Mann ihr gegenüber zornig geworden ist. Anders ist es, wenn er nicht zornig wird, dann ist es auch keine Sünde. Vielleicht weil er sie entschuldigt, oder weil er von seinem Recht ablässt. Es geht darum, dass er auf sie zornig geworden ist.“

Es ist sehr wichtig, dass die Partner darauf achten, gütig miteinander umzugehen. So sollte die Frau ihren Mann nicht einfach ignorieren, wenn er sie zu Bett ruft.

Ein Muslim hat die Pflicht, sich den Gesetzmäßigkeiten Allāhs und seines Propheten (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil) zu unterwerfen.

Diesbezüglich sagt Allāh (sinngemäß): „Weder für einen gläubigen Mann noch für eine gläubige Frau gibt es, wenn Allāh und Sein Gesandter eine Angelegenheit entschieden haben, die Möglichkeit, in ihrer Angelegenheit zu wählen. Und wer sich Allāh und Seinem Gesandten widersetzt, der befindet sich ja in deutlichem Irrtum.“ [33:36]

Ferner sagt Allāh (sinngemäß): „Und dein Herr erschafft, was Er will, und wählt. Ihnen aber steht es nicht zu, zu wählen. Preis sei Allāh! Erhaben ist Er über das, was sie (Ihm) beigesellen.“ [28:68]

Außerdem sagt Allāh (sinngemäß): „Aber nein, bei deinem Herrn! Sie glauben nicht eher, bis sie dich über das richten lassen, was zwischen ihnen umstritten ist, und hierauf in sich selbst keine Bedrängnis finden durch das, was du entschieden hast, und sich in voller Ergebung fügen.“ [4:65]

Imām Ibn al-Qayyim (Möge Allāh seiner Seele gnädig sein) sagte zu diesen Vers: „Der Erhabene Selbst hat Seinen Schwur geleistet und erklärt, dass jemand keinen Glauben (Imān) besitzt, bis er das Urteil Allāhs und das seines Gesandten in allen Angelegenheiten akzeptiert; Und dass man nur dann Imān verinnerlicht, wenn man die Gesetze Allāhs akzeptiert, ohne dabei eine Bedrängnis zu verspüren; Und dass sich das Herz ganz weit für die Gesetze öffnet und man sie offen annimmt und akzeptiert. Der Imān festigt sich solange nicht, bis man eine Zufriedenheit verspürt, sich fügt und sich nicht widersetzt. Erst so kann man Imān erreichen.“

Allāh sagt im Qurʾān (sinngemäß), dass jemand, der unzufrieden mit Seinen Urteilen ist, kufr begeht: „Dies, weil sie dem folgen, was Allāh missfällt, und ihnen Sein Wohlgefallen zuwider ist, und so lässt Er ihre Werke hinfällig werden.“ [47:28]

So haben die Gelehrten der Ahl as-Sunnah wa-l Dschamāʿah sieben Bedingungen für das Glaubensbekenntnis festgehalten. Wenn ein Gläubiger diese erfüllt, dann hat er einen großen Nutzen davon. Dazu gehören die absolute Unterwerfung und die absolute Akzeptanz dessen, was ‚lā ilāha illa Allāh‘ bedeutet; Dass einzig und allein Allāh angebetet wird und dass alle Anbetung nur Ihm alleine gebührt; Dass Allāh der Erhabene die Rechte der Frau gegenüber ihrem Mann festgelegt hat und dass Allāh die Rechte des Mannes gegenüber seiner Frau festgelegt hat. Dazu gehört, dass sie sich ihm unterordnet und auf ihn eingeht, wenn er sie zu Bett ruft. Dies ist im Ehevertrag verankert, der unter Abgabe gegenseitiger Willenserklärung geschlossen wurde. Hier akzeptiert man bereits die Rechte und Pflichten des Ehepartners und erklärt sich bereit, seine Ehe islamisch führen zu wollen und sich den Gesetzen Allāhs zu fügen. Dazu gehört sein Recht, sie zu genießen, und ebenso ihr Recht, ihn zu genießen. Somit wird in der islamischen Ehe das Selbstbestimmungsrecht bewahrt, denn vor der Eheschließung erklärten sich beide Partner bereit, eine islamische Ehe führen zu wollen und die Rechte des Partners zu achten.

 

Wenn ein Mann seine Frau ruft, ist es ihre islamische Pflicht, ihm zu gehorchen, solange sie keinen islamischen Hinderungsgrund hat. Die Pflicht des Mannes besteht darin, Allāh den Erhabenen zu fürchten und sie nicht ungerecht zu behandeln.

So sagt Allāh der Erhabene (sinngemäß): „Und ihnen (den Frauen) steht in rechtlicher Weise (gegenüber den Männern) das gleiche zu, wie (den Männern) gegenüber ihnen.“ [2:228]

Wenn die Partner sich gegenseitig ihre Rechte geben und ihre Pflichten erfüllen, können sie ein glückliches Leben miteinander verbringen. Gegenseitiger Respekt und Achtung voreinander sind hierfür notwendig.

Allāh, der Erhabene hat die Frau für den Mann erschaffen, damit er bei ihr innere Ruhe findet. So sagt Allāh (sinngemäß): „Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.“ [30:21]

Scheich Saʿīd Hamad (Möge Allāh seiner Seele gnädig sein) sagte zu diesem Vers: “Die islamische Ehe zielt auf die folgenden drei Dinge ab: Das Erreichen von Innerer Ruhe (Sakīnah), Milde (Mawaddah) und Barmherzigkeit (Rahmah) zueinander. Wer sie verinnerlicht, wird eine glückliche Ehe führen.”

Wenn der Mann nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause kommt, dann wünscht er sich, bei seiner Frau innere Ruhe zu finden. Findet er diese nicht, dann wird es auf Dauer für beide Partner belastend. Wenn die Frau ihm aber helfen kann zur Ruhe zu kommen, werden beide dadurch glücklich miteinander sein. Ebenfalls sollte der Ehemann versuchen seiner Frau die Ruhe im Haus zu gewähren. Die Milde ist eine Form der beständigen Liebe. Sie bleibt, wenn das anfängliche Verliebtsein schwindet.

Der Gesandte Allāhs (Allāh segne ihn und gebe ihm Heil) antwortete eins Muʿādh (Allāhs Wohlgefallen sei auf ihm), da er sagte: „‚O Gesandter Allāhs, hast du nicht gesehen, wie die Leute der Schrift sich vor ihren Bischöfen und römischen Heerführern oder Patriziern niederwerfen? Sollen wir uns nicht auch vor dir niederwerfen?‘ Er sagte: ‚Würde ich jemandem den Befehl erteilen, sich vor einem anderen niederzuwerfen, so hätte ich gewiss der Frau anbefohlen, sich vor ihrem Ehemann niederzuwerfen, wobei die Frau das Recht ihres Ehemannes dadurch nicht vollständig erfüllt hätte. Und selbst wenn er sie noch auf dem Höcker verlangen würde und sie ihm Gehorsam leistete, wäre die Frau dem Recht ihres Ehemanns nicht vollständig nachkommen.‘“ [as-Sahihah, Nr. 3366]

Allāh, der Erhabene spricht in diesem Vers auch von Barmherzigkeit (Rahmah). Es ist so, weil die Ehepartner sich gegenseitig nicht vollständig ihre Rechte erfüllen können, hat Allāh ihnen die Barmherzigkeit gegeben, damit sie einander vergeben können. In einer harmonischen Ehe respektiert man sich gegenseitig, toleriert und liebt sich, ist barmherzig und mild zueinander, indem man verständnisvoll ist und auf die Bedürfnisse des Partners eingeht.

Ein Mann, der viel verreist sollte bedenken, dass auch seine Frau Bedürfnisse hat und die Frau sollte ihrem Mann helfen, seine Bedürfnisse zu erfüllen, damit er nicht zum Verbotenen (harām) verleitet wird.

Meine lieben Geschwister, wenn wir uns die Ehen anschauen, in welchen der Islam gemäß dem Qurʾān und der authentischen Sunnah als Basis und gegenseitigem Verständnis gelebt wird, sehen wir, dass diese Ehen gut funktionieren und es weniger Probleme gibt als bei anderen Ehen. Es besteht familiäre Harmonie, gegenseitiger Respekt und Toleranz und die Ehre bleibt vorhanden. In den Ehen von Muslimen, welche nicht nach Qurʾān und Sunnah leben, sehen wir viele Schwierigkeiten. Dies zeigt uns, dass Allāh der Erhabene dem Menschen nichts auferlegt hat, was ihm schadet oder schlecht für ihn ist. Und von Allāh kommt jeglicher Erfolg!

Wenn wir nun davon ausgehen, dass sich die Partner bemühen, sich ihre von Allāh vorgeschriebenen Rechte zu erfüllen, dann können wir sichergehen, dass diese beiden glücklich miteinander leben werden. Sie werden gemeinsam gegen den Satan angehen können, der darauf bedacht ist, die muslimische Ehe zu zerstören und somit keine rechtschaffene Nachkommenschaft entsteht. Möge Allāh uns davor bewahren und uns tugendhafte und rechtschaffene Nachkommenschaft gewähren. Und Allāh weiß es besser.

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