Was ist der Unterschied zwischen dem Takfīr eines Kāfirs und dem eines Muslims? Muss der spezifische Takfīr eines Muslims den Leuten des Wissens vorgetragen werden?

Frage:

Was ist der Unterschied zwischen dem Takfīr eines Kāfirs und dem eines Muslims? Muss der spezifische Takfīr eines Muslims den Leuten des Wissens vorgetragen werden?

 

 

Antwort:

Der ehrenwerte Großgelehrte ʿAbdurrazzāq al-Badr al-ʿAbād (ḥafithahullāh) sagte hierzu:
“Zu den Bedingungen von ‘lā ilāha illa Allāh’ gehört der Takfīr des Kāfirs, d.h. den Kuffr desjenigen zu glauben, den Allāh als Kāfir erklärte. Ein Jude ist ein Kāfir und ein Christ ist ein Kāfir und auch der Feueranbeter. (Es gehört dazu an) deren Kuffr zu glauben und dass sie zu den Leuten des Feuers gehören, so wie es Allāh, der Segensreiche und hoch Erhabene und Sein Gesandter ﷺ berichten. Man muss diese Glaubenslehre (ʿAqīdah) verinnerlichen; Wer aber bestätigt, dass die Religion der Juden und der Christen oder der Feueranbeter (Majūs) richtig sei oder sie mit dem Islam gleichstellt, oder dem Islam nahebringt, der hat ‘lā ilāha illa Allāh’ ausgelöscht. Es ist also unbedingt notwendig, für denjenigen der es sagt, sich vom Unglauben (Kuffr) und den Glaubensverweigerern loszusagen und dass man deren Unglauben (Kuffr) auch verinnerlicht. Und so erging es einem Gelehrten in einem der Länder, dass er gefragt wurde, warum er denn die Christen für Kuffār erklärte, woraufhin er antwortete, dass nicht er es sei, der sie für Kuffār erklärte, vielmehr dass Allāh sie für Kuffār erklärte: “Fürwahr, ungläubig geworden sind diejenigen, die sagen: “Gewiss, Allāh ist einer von dreien.”‘ (5:73)

Allah erklärte sie zu Kuffar! Und wer das, was im Qurʾān erwähnt wird, nicht verinnerlicht, dass die Christen, Juden oder Majūs oder andere Kuffar sind, wer also den Kuffr derjenigen nicht bestätigt, die Allāh für Kuffār erklärte und auch Sein Gesandter ﷺ, der wird selbst zum Kāfir! Es wurde überliefert:
“Bei Dem, in dessen Hand meine Seele ist. Wenn ein Jude oder Christ von mir hört ohne dabei an das zu glauben, womit ich entsandt wurde, so wird sie Allāh zu Recht ins Höllenfeuer werfen.”
Denn zu den allgemeinen Regeln und Bedingungen von ‘lā ilāha illa Allāh’ gehört es denjenigen zum Kāfir zu erklären, den Allāh und Sein Gesandter zum Kāfir erklärten.

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Angelegenheit des Takfīr eine sehr große und mächtige Angelegenheit darstellt. Und es geht nicht, dass sich jeder mit dieser Angelegenheit beschäftigt und den Takfīr auf einzelne Personen ausspricht. Und dies gebührt niemand anderes als den Trägern des Wissens, (das sind) diejenigen, die ein Urteil im Namen Allāhs fällen und unterzeichnen. Das gebührt nicht jedem.

Von daher kam es zum Übermut, als man begann sich damit zu beschäftigen und dann anfing Menschen aus der Religion auszuschließen, welche die besten Leute in der Religion waren. So, wie es sich in der Sache des Takfīrs ereignete und das war ausgehend von den Khawārijj. Eigentlich hätten sie unbedingt auf die Gefährten [..] und von ihnen die ʿAqīdah lernen müssen. Die Angelegenheit des Takfīrs ist also nicht für jedermann geeignet. Was aber die deutlichen Dinge betrifft, wie es in der Sunnah erwähnt wurde, über die Juden, Christen, Majūs und anderen, dass sie Kuffār sind, so ist es verpflichtend daran zu glauben, so wie es Allāh und Sein Gesandter sagen.

Wenn man aber eine spezifische Person von den Muslimen aussucht oder jemand unter den Leuten des Islams, der ‘Lā ilāha illa Allāh’ ausspricht und vieles davon auch umsetzt, jedoch dann etwas macht, was gegensätzlich zu dem ist, so geht es nicht, dass einer der allgemeinen Muslime (ʿAwām) oder etwa ein neuer Islamstudent (Talīb al-ʿIlm) diese Person zum Kafir erklärt.
Nein, er muss den Zustand von dieser Person den Leuten des Wissens, den Ehrenwerten, vortragen und sagen, dass diese Person XYZ dieses und jenes macht! Die Träger des Wissens werden dann das Nötige in der Religion vornehmen und anhand der islamischen Rechtsprechung handeln und Allāh weiß es besser.”

[https://youtu.be/ellSImcsc64]

 

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