Sollte ein Sündiger zum Guten aufrufen und das Schlechte verbieten oder lieber davon ablassen?

Frage:

Sollte ein Sündiger zum Guten aufrufen und das Schlechte verbieten oder lieber davon ablassen?

 

 

Antwort:

Jemand, der zum Guten aufruft und das Schlechte verwerfen will, sollte selbst das erfüllen wozu man aufruft und vorbildlich sein. Z.B. jemand der raucht, sagte zu einem anderen der raucht „rauch nicht“. Das ist ja ganz klar, dass es die Person in diesem Moment sieht und sich denkt „du rauchst doch selber, wieso willst du jetzt, dass ich aufhören soll zu rauchen?“ und somit wird die Person das auf jeden Fall ablehnen. Ebenfalls, wenn du z.B. deinen Kindern sagen willst „raucht nicht“, da es harām ist. Dann werden es deine Kinder nicht akzeptieren, weil du es selber machst. Oder zum Beispiel lüge nicht, aber du lügst selber. Es sollte also ein vorbildliches Verhalten sein von demjenigen, der von den Menschen erwartet, dass sie das Gute tun. Man sollte das erst Mal selber richtig machen.

Kommen wir jedoch zu Frage, wie es mit der Daʿwāh seht. Es gibt im Zusammenhang mit der Daʿwāh 4 Zustände, die man haben kann.

1. Du bist jemand, der das Gute praktiziert und zum Guten aufruft.

2. Du bist jemand, der das Gute praktiziert, aber nicht zum Guten aufruft.

3. Du bist jemand, der das Gute nicht praktiziert, aber zum Guten aufruft.

4. Du bist jemand, der das Gute nicht praktiziert und nicht zum Guten aufruft.

Diese vier Zustände sind die Zustände die ein Mensch haben kann. Hier unterscheiden sich natürlich auch die Stufen. Es gibt Stufen, die gut sind und die weniger gut sind.

Die Stufe desjenigen, der das Gute nicht praktiziert und auch nicht zum Guten aufruft ist die schlechteste Stufe, die man haben kann. Das ist die Stufe der Kuffār, die den Islam nicht praktizieren.

Die Stufe desjenigen, der das Gute praktiziert und zum Guten aufruft, hat die beste Stufe, die man haben kann. Das ist der gläubige Muslim.

Die Stufe desjenigen, der das Gute nicht praktiziert, aber zum Guten aufruft. Er ist im inneren kein Muslim, aber ruft dazu auf. Das ist die Stufe der Heuchler (munafiqūn). Das ist die dritt schlechteste Stufe.

Die Stufe desjenigen, der das Gute praktiziert, aber nicht zum Guten aufruft. Das ist ein Muslim, welcher sich in der Stufe der weniger guten Muslime befindet. Eine Stufe zwischen den Besten und den Heuchlern. Der beste ist derjenige, der das Gute praktiziert und zum Guten aufruft und Allāh sagt im Qurʾān (sinngemäß): “Beim Zeitalter! () Der Mensch befindet sich wahrlich in Verlust, () außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun und einander die Wahrheit eindringlich empfehlen und einander die Standhaftigkeit eindringlich empfehlen.“ (103:1-3).

Wer sich in der 2. Stufe befindet, ist ein stiller Genießer, der alles für sich beanspruchen will, ohne zu teilen, weder dazu aufruft das Gute zu tun noch das Verbotene verbietet.

Allāh der Erhabene sagt (sinngemäß): “O die ihr glaubt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Welch schwerwiegende Abscheu erregt es bei Allāh, dass ihr sagt, was ihr nicht tut.” (61:2-3)

Die erste Stufe ist die beste Stufe. Die zweite Stufe ist es, dass man es zwar selbst praktiziert, aber nicht dazu aufruft. Das ist eine Schwäche in der Praxis des Islams und im Imān. Das heißt, man ist schwächer in der Stufe als derjenige, der beides tut. Die dritte Kategorie sieht für uns aus, wie ein Muslim, aber er praktiziert es nicht. Das sind die Eigenschaften von den Heuchlern. Sie rufen zum Islam auf, aber im inneren glauben sie nicht daran. Die vierte Stufe sind die, die weder den Islam praktizieren noch dazu aufrufen. Das ist die Stufe der Nichtmuslime. Wer kann, sollte versuchen die erste Stufe zu erreichen und um das zu erreichen, muss man vorbildlich sein. Doch Allāh weiß es besser.

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